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„Man riecht so gut wie nichts mehr“

Wasserverbandsmitarbeiterin Marlene Gebert informiert über momentane Situation in Klärwerken.

 

Lüderitz/Tangerhütte. Steigende Anforderungen an die Reinigungsleistung sowie erhöhte Umweltauflagen stellen Betreiber von Kläranlagen stets vor neue Herausforderungen. Davon kann Marlene Gebert vom Wasserverband Stendal - Osterburg (WVSO) ein Lied singen. „Wir haben vielfach nur die Wahl, Anlagen zu sanieren oder neu zu bauen“, sagt sie. Beides läuft aufs Gleiche hinaus: es kostet. Dabei müssen Kommunen oder kommunale Verbände wie der WVSO oft mehr Geld in die Hand nehmen als ihr Budget hergibt. „Allein das heißt: ohne öffentliche Unterstützung könnten wir solche Projekte niemals stemmen“, so die Abteilungsleiterin Investition.

Seit der Wiedervereinigung hat der WVSO, mit 2019 Quadratkilometer der flächenmäßig größte Wasserverband in Sachsen-Anhalt, zehn Kläranlagen neu- und ausgebaut, darunter auch die Anlage in Tangerhütte. Dort wurde jetzt eine neue Fäkalannahmestation errichtet, unterstützt durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Seitdem hat sich vieles verändert, wie Klärwärterin Ina Reinicke bestätigt. „Was vorher mehrmals täglich von Hand nachgebessert und gereinigt werden musste, passiert heute im geschlossenen System und vollautomatisch. Dadurch haben sich die Arbeitsbedingungen in hohem Maße verbessert, auf der anderen Seite läuft die Technik stabiler.“ Zudem sei die Geruchsbelästigung erheblich zurückgegangen. „Man riecht so gut wie nichts mehr, wenn zweimal in der Woche die Fäkalienautos vorfahren“, so die junge Frau. Rund zehn Prozent der zu klärenden Abwasser- und Fäkalmenge in Tangerhütte werden via LKW angeliefert, der Rest kommt über die Kanalisation.

Circa 490 Kubikmeter mechanisch gereinigtes Abwasser werden täglich von Tangerhütte in die Kläranlage nach Lüderitz gepumpt. Warum sich dieser Aufwand lohnt, erklärt Marlene Gebert so: „Die Lüderitzer Anlage war nicht ausgelastet; zugleich stieß die Anlage in Tangerhütte an ihre Kapazitätsgrenze - also haben wir uns entschieden, eine Abwasserdruckleitung zu bauen, die beide Anlagen miteinander verbindet. Das war die günstigste Lösung.“ Den Bau der mehr als 7 km langen Überleitung im Jahr 1999 unterstütze die Europäische Union ebenso wie die notwendige technische Nachrüstung in Lüderitz jetzt. So hat der WVSO neben Siebrechen, Sandwaschanlage, Messgeräten und anderen Maschinen auch einen neuen Schlammspeicher angeschafft, der den anfallenden Klärschlamm auch infolge weiterer Abwasservorhaben aufnimmt.

All diese Investitionen werden durch die EU kofinanziert. Und auch künftig kann der Wasserverband mit Unterstützung rechnen. Für den Ausbau der biologischen Reinigungsstufe in Tangerhütte (Belebungs- und Bio-P-Becken) samt Schlammpumpwerk, Nachklärung und Schlammspeicher haben die Altmärker erneut einen positiven Fördermittelbescheid erhalten.

Im Sommer 2010 wird die Tangerhütter Anlage dann dem Stand der Technik entsprechen, so das Ziel. Damit sollen auch weitere Anschlüsse entsprechend des genehmigten Abwasserbeseitigungskonzeptes möglich sein. Danach hat Marlene Gebert zumindest für Tangerhütte und Lüderitz erst einmal für einige Jahre Ruhe. „Langweilen werde ich mich aber nicht“, sagt sie und verweist auf kommende Investitionsprojekte. „Wir gehen in die nächste Etappe und beabsichtigen die Anlage in Bittkau zu erweitern sowie eine neue Anlage in Losenrade zu errichten.“

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